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Wiener Konzerthaus |
| Der Klangmagier der Tastenzunft |
Von Rainer Elstner Grigorij Sokolov, Klavier |
![]() Pianistischer Tastenzauber mit Grigorij Sokolov im Konzerthaus. |
Grigorij Sokolovs Konzerten haftet meist etwas Ereignishaftes an: Der Saal ist abgedunkelt, zugehört wird mit höchster Konzentration (wenn nicht gerade ein Handy klingelt), im Publikum sitzt viel Pianisten-Kollegenschaft und Sokolov spendet reichlich Zugaben. So geschehen nun im Wiener Konzerthaus: Rameau, Mozart und Beethoven standen auf dem Programm und der russische Pianist zeigte höchste Anschlagskunst. Pure Klangmagie, wie Sokolov Stimmen voneinander registerhaft absetzte, für jedes Stück den rechten Ton fand – und für jede Phrase die passende fingertechnische Lösung. Bei jedem Satz klang der Flügel anders, für jede Phrase schien er seine Technik zu adaptieren, mal nah an den Tasten, dann weit zurückfedernd. Nicht als L'art pour l'art, sondern im Dienste einer klaren Vorstellung davon, was das formal Besondere am jeweiligen Werk ist. Eine Schule der Phrasierung, Agogik und Trillerkunst war Rameaus Suite in D. Sokolov variierte die Verzierungen in Tempo, Farbe und Dichte, immer eingegossen in den musikalischen Zusammenhang. Jedes Stück der Suite war eine Welt für sich, Klangzauber in kondensierter Form. Am Ende: dankbarer Jubel und sechs Zugaben. Darunter ein Chopin-Prélude (das vierte aus Op. 28), dessen absteigende Chromatik Sokolov in vielfältigster Weise ausleuchtete, ein inniges Brahms-Intermezzo (Op. 117/2), Skrjabin, Bach in einer Bearbeitung von Siloti sowie eine springlebendige "Egyptienne" von Rameau – da ließ der Pianist die Triller wie dressierte Schmetterlinge über die Tasten flatterten. |